Eine kurze Anmerkung zur Haltung der deutschen Blogosphäre gegenüber Birma

Geringgeschätzte Bloggerkollegen!

Als der westlichen Welt die seit Jahrzehnten andauernden Menschenrechtsverletzungen in Birma endlich vor Augen geführt wurden, habt ihr euch überschlagen mit Solidaritätsbekundungen und herunterklappenden Java-Ecken und sonstwas, nur um das Thema wenig später ad acta zu legen, die Java-Ecke zu entfernen und keine Anstalten zu machen, die Sache mal nachzubereiten bzw. weiter zu verfolgen.

Das ihr jetzt, wo es nicht um das globale Blähthema ‚Freiheit‘ (so weit haben die Amis uns übrigens schon: ein Reizwort, mit dem im schlimmsten Fall sogar ungerechtfertigte Kriege ihren legitimen Anstrich bekommen) geht, sondern Menschen zu zehntausenden real verrecken, weil diese Katastrophe der Junta aber so was von reinlief, da haltet ihr aber so was von die Fresse und überschlagt euch gar nicht mehr mit z.B. Hilfeaufraufen und Spendensammeln (auch hier könnte wieder Java zum Einsatz kommen!) und entlarvt euch als die bräsigen, wohlgenährten Gutmenschen, die ihr seid.

Eure unüberlegte Herdenmentalität kotzt mich an.

Merke:

Angriff auf Menschenrechte anderswo – schlecht, ganz schlecht, muß man was machen bzw. muß man mal ansprechen. (Dann is‘ aber auch gut.)

Naturkatastrophen, vermeidbare Todesfälle durch Seuchen und Unterernährung anderswo – bestenfalls egal, hier muß Gleichgültigkeit bewiesen werden, wo kämen wir denn da hin, wenn der Weltenlauf uns immer wieder aufrütteln würde, über unseren Tellerrand zu schauen. Der nächste Review über das nächste stylishe Apple-Produkt will schließlich auch noch geschrieben werden.

Ich möchte Euch (also zumindest die mit den Java-Ecken und die, die in den dt. Blogcharts geführt werden und sich seinerzeit des Themas Burma angenommen haben) hiermit höflichst auffordern, vom nächstgelegenen Balkon zu springen (Erdgeschoss und 1. Stock gilt nicht). Wenn ihr das, aus welchen Gründen auch immer, für Euch nicht in Betracht zieht, überlegt mal bitte 2 Minuten, wieviele Kinder tagtäglich den Hungertod sterben, obwohl für alle genug zu fressen da wäre, wieviele Menschen an Seuchen verrecken, deren Bekämpfung uns im Westen ein müdes Arschrunzeln kostet. Und schreibt drüber. Täglich.

Und dann würde ich Euch noch bitten, mal darüber nachzudenken, warum ihr immer mitschreien müßt, wenn irgendwo jemand ‚Freiheit‘ oder ‚Menschenrechtsverletzungen‘ pupt. Könnte es sein, daß es sehr einfach ist, weil man dazu als wohlerzogener Demokrat nichts weiter tun muß, als die ‚richtige‘ Meinung zu haben und sie ungefragt herauszuposaunen?

Ihr brabbelt den lieben, langen Blogtag über die dümmsten Nichtigkeiten und würdet auch im Angesicht des jüngsten Tages noch drüber bloggen. Ne ne, Leute, mit Euch wird die Welt auch nicht besser, kein Wunder, daß die Journaille geringschätzig auf Euch herabblickt: sie tut es trotz Eurer naiven Erklärungsversuche nicht aus Konkurrenzangst, sondern weil man Euch nun mal leider nicht ernst nehmen kann.

Geht wieder spielen.

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One Comment on “Eine kurze Anmerkung zur Haltung der deutschen Blogosphäre gegenüber Birma”

  1. […] gegen das kleine Land während die anderen “rein humanitäre” Ziele verfolgen wollen. Andere hingegen finden, dass noch viel zu wenig darüber berichtet wird, und nehmen vor allem die Blogger […]


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