Guttenberg entzaubert

Am 26.10.2010 fragte ich hier in einem Post, wann wohl in der Presse das erste Mal die Formulierung auftaucht, daß Guttenberg entzaubert sei (daß die Süddeutsche diese Formulierung schon 2009 benutzt hatte, war mir nicht bewußt). Ich hatte damals wie auch heute keine Lust, das Hochgejazze der Presse weiter zu erläutern, es wären Worte wie eben hochjazzen, Hofberichterstattung u.ä. gefallen, Fragen gestellt worden, warum ausgerechnet er als Projektionsfläche der deutschen Adelssehnsucht angeblich für ein neues, hippes, modernes Politikerbild steht (Für welches eigentlich? Trotz aller (und das muß man neidlos anerkennen: auch intellektueller) Frische kommt er was Wortschatz und Positionen betrifft doch erstaunlich altbacken daher, oder wann hörte man zuletzt einen 39-jährigen von „Zinnober“ oder „wohlfeilem Geschrei“ sprechen?).

Um auf die Frage zurückzukommen: daß es nur knapp 4 Monate gedauert hat, hat selbst mich überrascht. Daß es irgendwann so kommen mußte, nicht.

Daß die Opposition sich einen von der Palme wedelt ob des gefundenen Fressens – geschenkt, und billig dazu, als ob man ihm für seine (wohlwollend formuliert) „Kommunikationspannen“ nicht schon früher mit Anlauf in die Eier hätte treten können.

Noch ein paar Bemerkungen:
1. Das Thema könnte, so Volker Kauders voreilige Hoffnung, mit der wie auch immer durchzuführenden Rückgabe/Rücknahme des Doktorgrades tatsächlich erledigt sein.
2. Daß KT den Doktorgrad nun aber seit 2007 geführt haben soll, obwohl er formal erst seit 2009 promoviert sein konnte (die Story in der ZEIT), ist für mich als Akademiker nicht hinnehmbar. Ich laß ja gerne mal Fünfe grade sein, aber bei dieser grobe Missachtung akademischer Spielregeln krieg ich das kalte Kotzen. Sollte es stimmen, braucht man den Rücktrittsgrund nicht mühsam aus den Plagiatsvorwürfen zu konstruieren. Den Überblick über Quellen kann man vielleicht verlieren, aber jeder Promovend muß sich im Klaren darüber sein, wann er sich Doktor nennen darf und wann nicht. Da gibt es schlichtweg keine Ausreden.
3. Und daß schließlich in BILD heute um 11:33 Uhr immer noch kein Wort davon steht, daß KT den Doktorgrad möglicherweise zu früh geführt haben könnte – paßt ins Bild der unheiligen Allianz, die beide miteinander eingegangen sind. Hier stellt sich mir die nächste Frage, die wieder nur die Zeit beantworten kann, nämlich wie belastbar folgendes Döpfner-Bonmot ist: „Für die ‚Bild‘-Zeitung gilt das Prinzip: Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.“

Update 2.3.2011: Offenbar war das von mir als verfrüht bezeichnete Führen des Doktorgrades rechtens. Zu Guttenberg hatte es beantragt und bewilligt bekommen. Daß sowas geht, war mir neu. Versuch ich jetzt auch mal.
Außerdem-mir fällt da noch ’ne Frage ein! Wann wird das erste Medium bei Guttenbergs Comeback titeln: Manchmal kommen sie wieder?

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